Eine Ode ans Nichtstun

Die Produktiven, Aktiven und Beschäftigten stehen heute hoch im Kurs. Süsses Nichtstun hingegen liegt im Verruf. So vergisst man schnell, dass die Untätigkeit ohne schlechtes Gewissen eine stark unterschätzte Kunst ist. Denn auch darin sprudelt die Quelle von Inspirationen für Ideen.

Ode ans Nichtstun

Etliche Tage hintereinander ausschlafen ohne den Wecker zu stellen, keine Mails beantworten, keine Deadline einhalten, zu keinen Terminen rennen. Hand aufs Herz - wer sehnt sich nicht danach? Das Einzige, was auf dem Programm steht: Die Seele baumeln lassen und aus der Zeit fallen. Doch auf der faulen Haut liegen, kommt heutzutage einem Skandal gleich. Müdigkeit und Faulheit werden beschämt unter der dicken Schneeschicht versteckt. Wohingegen gestresste Menschen bewundert werden – wer so viel leistet und pausenlos produktiv ist, scheint etwas richtig gemacht zu haben. Der Gedanke sich mit sich selbst zu beschäftigen oder an eine Lücke im Lebenslauf lässt scheinbar unermüdlichen Menschen die Nackenhaare zu Berge stehen. Es ist angesehener sich im allseits bekannten Hamsterrad wund zu rennen - eine Verschnaufpause einlegen, kann man schliesslich später. Nach dem Studium, wenn die Kinder aus dem Haus sind oder in der Pension. Im Ausredenerfinden sind wir wahre Weltmeister. Doch das gelegentliche Nichtstun ist eine vernachlässigte Kunst - denn gerade in der Untätigkeit kann die Kreativität Fuss fassen.

Ode ans Nichtstun

Die schöpferische Erschöpfung

Doch meistens klopft nach einiger Zeit exzessivem Faulenzen das schlechte Gewissen an die Tür. Als ob wir verlernt hätten, uns gründlich auszuruhen. Das zeigt sich oft in der Früh: Dieser Augenblick zwischen Aufwachen und Schlaf – halb im Traum versunken, halb in der Realität. Wenn man sich zurück in die Traumwelt wünscht und sich müde aus den warmen Decken schält, wenn doch alle Knochen nur liegen bleiben möchten. "Ich fordere nicht, die Müdigkeit abzuschaffen. Ich möchte dorthin zurück, wo es möglich ist, müde zu sein" zitiert Barthes den französischen Schriftsteller Maurice Blanchot. Er stellt fest, dass Erschöpfung sozial nicht haltbar und anerkannt sei. Doch Erschöpfung würde die Arbeit nicht behindern, sondern die Arbeit erfordere es, unermesslich erschöpft zu sein. Erschöpfung sei eine „Intensität“ und so kommt er zum Schluss: „Die Erschöpfung also ist schöpferisch – neue Dinge entstehen aus dem Überdruss“.

Ode ans Nichtstun

Platz für ungedachte Gedanken

Denn wenn wir uns mal bewusst entscheiden, nichts zu tun und den Ausschaltknopf des Gedankenkarussells im Kopf für einen Moment gedrückt halten, können wir versuchen, all die Überlegungen aus dem Alltag hinter uns zu lassen. So machen wir Platz in uns für ungedachte Gedanken und können unbeschriebenes Gelände erkundigen. Wie ein weisses Blatt, das mit neuen, bunten Farben bemalt werden darf. Der scheinbar verpönte Zustand der Trägheit verwandelt sich so in einen Nährboden für Träume und eine neue Art von Produktivität. Produktivität, die in der Gelassenheit wurzelt.

Ode ans Nichtstun

Die Gründerin und Autorin Chameli Ardagh beschreibt den Kreativitätsprozess in sieben Phasen. In der ersten Phase besteht die Handlung aus „Nicht-Handlung“. Sie nennt dies die „Empfängnis-Phase“, wo der Funken des ersten Kreativitäts-Impulses sprüht. In dieser Phase besteht die Aufgabe darin, sich dem Warten hinzugeben und sich für neue kreative Impulse zu öffnen. Man darf sich also einfach mal gönnen nichts zu tun - ausser den inneren Impulsen zu lauschen. Sie selbst sitzt in dieser Phase am liebsten einfach da und schaut den Bäumen zu.

Ode ans Nichtstun

Ein Hoch auf alle Langschläferinnen, Taugenichts und Faulen

Und in welcher Gesellschaft lässt es sich am besten in den Wald starren? Genau: mit sich selbst. Psychologin und Dichterin Clarissa Pinkola Estés schreibt, dass das Wort „allein“ früher als „all eins“ verstanden wurde – also ganz zu sein, eins mit dem All. „Das Alleinsein hat nichts mit Ereignislosigkeit und Einsamkeit zu tun, wie viele glauben. Ganz im Gegenteil. Durch das Alleinsein wird einem von der Seele ein Füllhorn an Schätzen gegeben“. Fern von dem Trubel und Zerstreuung des Alltags haben manche Ideen, Träume und Wünsche erst die Möglichkeit aufzutauchen. Dazu muss man nicht in ein Schweige-Retreat oder monatelang auf eine einsame Insel. Ein Anfang können kleine Augenblicke im Alltag sein: Den Geruch von Kaffee zwischen zwei Meetings bewusst geniessen, ein Spaziergang alleine im Wald in der Mittagspause, eine Yoga-Stunde nach einem stressigen Tag oder sein Lieblingslied mit geschlossenen Augen im Zug nach Hause anhören. „Für mich ist das Alleinsein wie ein aufklappbarer Wald, den ich überall mit mir herumtrage und jederzeit um mich ausbreiten kann, wenn ich es wünsche“, schreibt Estés. Nichtstun und Alleinsein hängt nicht vom finanziellen oder sozialen Status ab, von Bildung oder physischer Bewegungsfreiheit – beides ist jederzeit und überall erhältlich.

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Also, gönn’ dir doch mal eine Pause zwischendurch und lass uns wissen, was für Ideen in der Stille in dir hervorsprudeln. Auch wenn sie im ersten Moment lächerlich klingen, noch nicht ausgereift sind oder du sie alleine nicht umsetzen kannst. Genau dafür ist der ideenkanal hier. In diesem Sinne: Ein Hoch auf alle Langschläferinnen, Taugenichts, Müden, Faulen und Tagträumerinnen! Nur verschlafen sollst du ihn nicht, den 5. März, das Ende der Bewerbungsphase.

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