Jeder ist kreativ

Sie lauert hinter jeder Ecke, manchmal versteckt sie sich auf Bäumen und oft sichtet man sie während schlaflosen Nächten. Meistens taucht sie auf, wenn man sie am wenigsten erwartet. Doch wenn man sie behalten oder zwanghaft hervorrufen möchte, dann bleibt sie fern. Die Kreativität ist flatterhaft - und doch geht nichts ohne sie. Plötzlich macht es „plopp“ und die Idee ist hier – aber was passiert da eigentlich im Kopf?

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Beim ideenkanal wird ja tagein tagaus von Ideen, Innovation und Kreativität geredet. Als müsste man nur über die Strasse spazieren und schon regnet es Ideen, mit denen wir die Welt verändern könnten. Doch manchmal ist das gar nicht so einfach. Denn was ist das überhaupt, diese Kreativität? Eine Fähigkeit? Ein Talent? Oder eine Technik, die man lernen kann? 

Raissa Teles

Raissa Teles, Coachin beim ideenkanal, Brasilien

Ich glaube, dass jeder kreativ ist und wir erkennen das einfach nicht. Ich denke nicht, dass Kreativität eine Fähigkeit oder ein Label ist, das man eben hat oder nicht. Wenn Leute dich anschauen und sagen: „Wow, du bist so kreativ, ich bin das nicht“, für mich ist das Bullshit. Kreativität ist genau hier, zugänglich in jedem von uns, als Teil von dem, was uns Menschen macht. Das Problem ist, dass die meisten von uns blind von Ablenkungen der modernen Gesellschaft (wie Internet, Technologie oder Social Media) geworden sind. So haben wir eine grosse Mauer zwischen uns und unsere verrückteste und ehrlichste Kreativität gebaut. Kreativität ist ein Ausdruck unserer Seele, sie erlaubt uns mit dem Herz zu handeln, es ist Aktion mit Leidenschaft, die improvisiert und uns fliessen lässt. Und wie fühlt man sich kreativer? Wenn es einem egal ist, was die anderen über dich denken, lass dich nie von deinen Gedanken hindern deine Träume auszuleben, höre auf dein Herz und handle – make shit happen in the most beautiful way you can express yourself. Was mir hilft, um mich kreativer zu fühlen, ist in der Nähe des Ozeans zu sein, mich selbst in konstanter Bewegung halten, Sport machen, laute Musik hören und Dinge machen, die meine Gedanken positiv und fröhlich stimmen – die Kreativität einfach fliessen lassen als natürlicher Zustand meiner besten Version. 

Kreativität als Grundprinzip der Evolution

Der Hirnforscher Ernst Pöppel forscht darüber, wie Kreativität im Gehirn zustande kommt. Um den Prozess im Gehirn zu erklären, zieht er den Prozess der Evolution heran. Die Evolution sei der kreativste Prozess, den die Natur auf diesem Planeten hervorgebracht hat, erzählt er in einem Interview mit der Welt: "Kreativität ist das Grundprinzip der Evolution. Es werden zufällige Veränderungen ausgewählt." Das sei im Gehirn genauso: "In den Hirnen ist Wissen gespeichert. Je grösser der Vorrat an Wissen ist, umso grösser ist die Chance, dass daraus etwas Neues entstehen kann." Dabei sei die eigentliche kreative Leistung des Gehirns eine permanente, informatische Müllbeseitigung: "Durch den kreativen Prozess entsteht nur das, was eine Möglichkeit hat, sich in der Welt zu bestätigen."

Simon Egger, Mitinitiator "Free Velo Point"

Simon Egger, ehemaliger Ideengeber, Liechtenstein

Kreativität ist die Fähigkeit des Kreierens und Schaffens. Ich denke, es ist eine Fähigkeit, die man lernen kann. Wenn man etwas kreiert, schafft man etwas „Neues“. Dabei beruft man sich jedoch immer auf Gesehenes, Erlebtes, Gehörtes, das man in eine neue Verbindung oder einen neuen Kontext stellt. Kopieren und Abschauen gibt es im Grunde gar nicht, man lässt sich inspirieren. Kreative Menschen sind also sehr inspirierte Menschen: Sie gehen mit offenen Augen, Ohren, Nasen, Herzen durch die Welt und nehmen auf, was sie schön, interessant, berührend, überraschend, etc. finden und sammeln es in ihrem Repertoire. Das wird dann von selbst abgerufen, wenn es darum geht, etwas zu schöpfen.
Ich denke, für Kreativität bedarf es einem bestimmten Grad an Freiheit. Welche Art von Freiheit ist dabei nicht ausschlaggebend. Freiheit in Form von Zeit, Ungebundenheit, Gleichgültigkeit und Leichtsinn. Es gibt ja viele verschiedene Freiheiten.
Kreativität ist der leichte und freie Umgang mit Schöpfungskraft.
Die besten Ideen kommen mir meist, wenn ich mich gedankenverloren mit etwas völlig Simplem beschäftige. Beim Zähneputzen zum Beispiel. Oder aber kurz vor dem Einschlafen.
Kreativität ist ein Prozess und nicht unbedingt an ein Resultat gekoppelt.

 

Kreativität kann man üben

So rät Pöppel Menschen, die kreativer sein möchten: "Mehr Sport und weniger Multitasking. Man kann nur kreativ sein, wenn man sich konzentriert auf eine Sache einlässt." Ein kreativer Mensch sei ausserdem einer, der glückliche Zufälle auszunutzen weiss. Denn über den Tellerrand zu linsen und zufällig neue Eindrücke aufsaugen, fördere die Kreativität. 
Auch der britische Mediziner und Kognitionswissenschaftler Edward de Bono glaubt nicht, dass Kreativität die Gabe einer guten Fee ist: „Ich glaube, sie ist eine Fertigkeit, die wie Autofahren geübt und gelernt werden kann. Wir halten die Kreativität nur für eine Gabe, weil wir uns nie bemüht haben, sie als Fertigkeit zu üben." Menschen in kreativen Berufen üben also täglich ihr kreatives Potenzial auszuleben. Doch nicht nur Künstler sind kreativ. Auch in Tätigkeiten, die nicht als kreativ gelten, brauchen wir sie: Nämlich immer, wenn es darum geht, einen neuen Weg oder eine Lösung für etwas zu finden. 

Eliane Schädler, Illustratorin

Eliane Schädler, Illustratorin, Liechtenstein

Impulse für Ideen lassen sich ganz einfach überall da, wo man nur aufmerksam genug hinsieht, sei es zwischen aufgetürmten Müllsäcken, hinter verschlossenen Türen oder unter verschneiten Parkbänken, wie Blumen auf einer ungedüngten Wiese, pflücken. Bei mir werden diese sinnlich wahrgenommenen Impulse erst zu einer Idee weiterverarbeitet, wenn ich für einen kurzen Moment den Bezug zur Realität verliere und Gesehenes, Gedachtes, Gehörtes, Gefühltes, Gerochenes und Erfahrenes uneingeschränkt und auf jede noch so absurde Weise auswerten, kombinieren und dadurch zu einer Idee entwickeln kann. Um auf eine Idee zu kommen, benötige ich also einerseits  die Realität als Input und andererseits die Fiktion, um diese Inputs zu verarbeiten.

Tijl Bex

Tijl Bex, Filmemacher beim ideenkanal, Belgien

Kreativität entsteht oft aus einer Kettenreaktion, es braucht immer wieder einen Auslöser. Eine Idee, ein Mensch, ein Bild, ein Gefühl. Man kann es auch nicht erzwingen. Wenn ich eine Blockade habe, gehe ich meistens raus - frische Luft, eine Wanderung mit dem Hund im Wald, oder sogar einen Ausflug in die Berge... ich brauche immer wieder diesen 'Reset'.

 

Kreativität versteckt sich täglich und überall in uns

Kreativ kann ein Angestellter in einem Handyladen sein, wenn er ein Problem eines Kunden lösen muss, oder eine Putzfrau, die ein Bürogebäude reinigt, ein Gärtner, der den Weg mit Blumen bepflanzt, eine Physikerin, eine Produktentwicklerin, ein Student, der seine Weltreise plant, eine Bettlerin, die am Ende des Tages einen Becher voller Münzen hat – die Kreativität versteckt sich täglich und überall in uns. Wir haben nur verlernt, auf unsere kreative Stimme zu hören. Und weil wir denken, wir sind nicht kreativ, trauen wir uns oft gar nicht, etwas zu kreieren. So sagt auch Pöppel, dass ein kreativer Mensch, sich selber traut. Dabei geht es auch darum, dem Prozess zu vertrauen und sich nicht auf das sichtbare Endprodukt zu konzentrieren. Für die Psychoanalytikerin Clarissa Pinkola Estés hat Kreativität nichts mit Virtuosität oder dem Grad der Meisterschaft auf irgendeinem Gebiet zu tun. "Sie ist das unaufhörlich strömende Sein schlechthin, das manchmal nicht anders kann, als überzuschwappen und sich in Form von schöpferischen Akten auf die Umgebung zu ergiessen". 

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Letzte Chance, um uns deine Kreativität zu zeigen

Deshalb möchten wir dir heute sagen: Ja, DU, genau du, bist auch kreativ! Lass deine eigene Kreativität überschwappen, denn wir warten genau auf deine einzigartige Idee. Bis zum 5.März stehen dir die Pforten des ideenkanals noch offen und du kannst deine Idee einschicken. Dies geht ganz einfach: Du packst deine Idee in 500 Zeichen und reichst sie hier ein. Die Idee darf eine vage oder grobe Beschreibung sein – mit unseren 40 Mentorinnen und Coaches geht es dann ans Eingemachte und dein kreatives Potential wird entfaltet, um gemeinsam die Idee auszufeilen. 

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