Suche

"Der ideenkanal motivierte mich, mein Projekt durch zu ziehen"

Aktualisiert: Juni 22



Fatimas fantastische Reise in eine Welt ohne Erdöl ist Jakob Winklers Wimmelbuch für Kinder und Erwachsene, das Mut macht, die Welt von morgen mitzugestalten. Mit der Heldin Fatima reisen die Leser*innen durch die Zeit und lernen mehr über den fossilen Brennstoff, über politische Konzepte, gerechtes Wirtschaften und ein soziales Miteinander. 2015 gewann Jakob beim ideenkanal Tirol. Nach 10 Jahren ist das Buch endlich fertig! In diesem Interview erfährst du, wie sein Buch entstanden ist, was Jakobs Lieblingsvision ist und was der ideenkanal dazu beigetragen hat.


Drehen wir die Uhr zehn Jahre zurück, als alles angefangen hat. Wie bist du auf die Idee gekommen, das Wimmelbuch Fatimas fantastische Reise zu zeichnen?

Die Idee kam zum Zeitpunkt der Wirtschaftskrise, die mit einer Ölkrise einher ging. Ich habe eine Doku gesehen, die aufzeigt, wo Erdöl überall drinsteckt. Ich fand es wahnsinnig, wo überall Erdöl aufzufinden ist und fragte mich, warum denn niemand darüber spricht? Unser ganzer Transport basiert auf Erdöl. In Millionen von Produkten – von der Kontaktlinste bis zur Badehose – steckt Erdöl. Ich habe angefangen zu recherchieren und mich für die ganze Thematik zu interessieren. Gleichzeitig hatte ich eine Freundin mit einem dreijährigen Sohn. Es gab nicht wirklich ein Buch, das ich ihm zu diesen Zusammenhängen vorlesen konnte. So wollte ich ein sinnvolles Buch gestalten, das diese Thematik anspricht und Alternativen für die Zukunft aufzeigt. Da ich Illustrator bin, entschied ich mich ein Wimmelbuch zu kreieren. Zum Schluss ist es ein Wimmelbuch für Kinder und Erwachsene geworden.


Ein langer Prozess bis das komplette Buch endlich in deinen Händen liegt. Wie hast du dich immer wieder motiviert?

85% hat mir total Spass gemacht. Und 15% war harte Arbeit. Ich musste durchbeissen und stellte mir in solchen Momenten die Frage, was ich da eigentlich mache. Wirtschaftlich gesehen ist es totaler Nonsense. Egal. Mit dem Blick nach vorne, Leidenschaft und Neugierde einfach weitergehen.

Ich glaube, dass wir auch in der Politik langfristige Strategien brauchen. Menschen tendieren dazu, kurzfristig zu denken. Es gibt so wenige Baustellen, die über Generationen hinaus denken. Ups and downs gehören dazu. Die täglichen Stimmungsschwankungen sind Teil vom Ganzen. Dranbleiben ist das Wichtigste! Ich habe es immer wieder geschafft. Und das Coole: Jetzt ist es fertig!



Wie hast du dir das Wissen und die Expertise im Bereich angeeignet?

Eigentlich habe ich mir das Wissen komplett im Eigenstudium angeeignet. Am Anfang war ich einfach neugierig und habe angefangen zu recherchieren. Wir haben ja alle Zugang zu der Bibliothek von Alexandria sprich dem Internet. Es gibt total viele Bücher, Magazine, Youtube-Channels, Dokus und Internetplattformen von interessanten Zukunftsforschern. Anstatt nach Hause zu kommen und mich berieseln zu lassen, habe ich angefangen Dokus über Wirtschaftssysteme oder neue Technologien zu schauen. Ich habe mir von Physiker*innen, Theolog*innen und Politiker*innen Dinge erklären lassen. Natürlich habe ich auch mit meinen Freunden zusammengearbeitet.


2015 hast du beim ideenkanal Tirol gewonnen. Was hat der ideenkanal zu deinem Projekt beigetragen?

Das Spannendste am ideenkanal ist das Netzwerk aus motivierten Leute von allen möglichen Spezialgebieten, die zusammen kommen. Man hat über ein paar Tage einen unglaublich wertvollen Zugang zu Expertise. Dieses Netzwerk gibt dir auch Mut und Rückenwind, um weiter zu machen. Kurz davor war ich in einem Down und der ideenkanal hat mich motiviert, weiter zu machen und mein Projekt durch zu ziehen.


Dein Crowdfunding ist von 0 auf 100 in die Höhe geschossen. Triffst du damit einen Nerv der Zeit (Stichwort #fridaysforfuture) oder hast du die Kampagne einfach gut vorbereitet?

Eigentlich beides. Wenn ich ein Jahr zurückdenke, hätte ich mich nicht getraut von der Situation zu träumen, in der wir gerade stecken. Endlich ist etwas in Bewegung geraten und die Leute und Politiker sind am Diskutieren! Es ist höchste Eisenbahn und Mama Erde sei Dank entsteht die Bewegung endlich. Es geht nicht nur um den Klimawandel und ein 16-jähriges Mädel, es geht um einen Systemwandel. Deshalb ist es meines Erachtens unterstützenswürdig und es wird hoffentlich nicht aufhören, sondern noch lauter werden. Damit treffe ich mit meinem Buch sicher gerade den Zeitgeist. Ich habe aber auch viele strukturelle Vorbereitungen getätigt, weshalb das Crowdfunding nun so rund läuft. Ich komme ja selbst aus dem Marketing und ich verfüge über ein riesiges, wunderbares Netzwerk aus Selbstständigen, die Profis auf ihrem Gebiet sind und mich unterstützen. Es geht gerade fast alles auf!