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Von Alleinerziehend bis Innovationsstrategie: Das war das Ideencamp #39

vor 1 Tag
6 Min. Lesezeit

Was brauchen Alleinerziehende wirklich? Wie wird aus einem Kinderbuch mehr als nur eine Geschichte? Wie lassen sich Innovationen erfolgreich monetarisieren? Und was bewegt Menschen dazu, ein Familienunternehmen zu übernehmen oder sich bewusst dagegen zu entscheiden? Beim Ideencamp #39 trafen wieder ganz unterschiedliche Fragestellungen auf rund 60 Kompliz:innen, die ihre Erfahrungen, Perspektiven und Kontakte einbrachten.


Ideencamp #36 - Das Publikum kam wieder zahlreich ans Ideencamp  Bild: Moris Frommelt
Ideencamp #39 - Die vier teilnehmenden Ideengeberinnen. (v.l.n.r.) Stefani Hoch, Claudia Doron, Rosaria Michaela Ackermann, Nathalie Nipp.

Am 17. September 2026 fand im Vadozner Huus das bereits 39. Ideencamp statt. Rund 60 Teilnehmer:innen aus Liechtenstein, der Ostschweiz, Vorarlberg und Süddeutschland waren dabei, ebenso Menschen aus der ukrainischen Community und sogar Gäste aus Norwegen.

Besonders erfreulich: Rund die Hälfte war zum ersten Mal bei einem Ideencamp dabei. Durch den Abend führte wie gewohnt Stephan Schweiger vom Ideenkanal-Team.


Ideen-Talk: Über Vorarlberg bis in die Social-Entrepreneurship-Welt

Zum Auftakt lud Judith Lutz zum dritten Ideen-Talk. Dieses Mal ging der Blick über das aktuelle Ideencamp hinaus: Was kann eine Teilnahme langfristig bewirken? Welche Spuren hat der Ideenkanal hinterlassen? Und wie wird Liechtenstein von aussen als Ort für gesellschaftliche Innovation wahrgenommen?

Daniel Bargetze, Geschäftsführer des Vaduzer Medienhauses und Medienpartner des Ideenkanals, kennt das Ideencamp aus erster Hand. Beim Ideencamp #34 nahm er mit Brudiland.li selbst als Ideengeber teil. Besonders wertvoll seien für ihn die unterschiedlichen Perspektiven der Kompliz:innen gewesen und dass genau die für Brudiland relevanten Zielgruppen mit am Tisch sassen. Die Teilnahme habe Spass gemacht, sei für ihn und das Projekt aber auch ziemlich «challenging» gewesen. Inzwischen wurde Brudiland sogar als Case im Branchenmagazin Kress Pro vorgestellt.

Auf Judiths Frage, wie er das Ideencamp rückblickend bewerten würde, antwortete Daniel mit einem Schmunzeln:

«Ok, ich gebe dem Ideencamp eine 10 von 10.»

Michael Lederer, ehemaliger Leiter des Vorarlberger Büros für Freiwilliges Engagement und Beteiligung, erinnerte an die Ideenkanal-Durchgänge 2011, 2013 und 2015 in Vorarlberg und deren Impulse für Ehrenamt und gesellschaftliche Innovation. Gerade auch aussergewöhnliche Durchführungsorte wie das Poolbar-Festival trugen dazu bei, ganz unterschiedliche Menschen anzusprechen und zum Mitmachen zu bewegen.

Apropos beteiligen: Auch 2021 beteiligte sich das Land Vorarlberg wieder als Themenpate am Ideenkanal und brachte damit weitere Ideen zum Fliegen. Einige der über die Jahre begleiteten Projekte finden sich in unserem Rückblick 30 Ideen, 30 Geschichten.

Für die internationale Perspektive sorgte Hans Reitz, Unternehmer, Visionär und langjähriger Wegbegleiter von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Nach mittlerweile drei Besuchen sieht er in Liechtenstein beste Voraussetzungen für einen Leuchtturm für (gesellschaftliche) Innovation.

Drei Gäste, drei Perspektiven und eine gemeinsame Erkenntnis: Gesellschaftliche Innovation entsteht dort, wo Menschen, Ideen und Erfahrungen miteinander verbunden werden. Das Video zum Ideen-Talk #3 folgt hier in Kürze.


Ideen-Talk #3 mit Daniel Bargetze, Hans Reitz, Judith Lutz und Michael Lederer
Ideen-Talk #3 mit Daniel Bargetze, Hans Reitz, Judith Lutz und Michael Lederer

FuckUp-Talk: 30 Jahre Unternehmertum

Nach der offiziellen Begrüssung zum Ideencamp #39 wurde es gleich persönlich und ziemlich unterhaltsam.

Im FuckUp-Talk nahm Leone Ming, Unternehmer und Markenexperte, gegenüber von Christof Brockhoff Platz. Statt einer grossen Geschichte des Scheiterns brachte Leone gleich eine ganze Sammlung kleinerer und grösserer Missgeschicke aus mehr als 30 Jahren Unternehmertum mit.

Da waren Kund:innen, von denen Leone erst viel zu spät bemerkte, dass sie sehr wohl Deutsch verstanden. Präsentationen, bei denen der dringend benötigte Hellraumprojektor fehlte. Und dann war da noch jener Laptop einer Geschäftskollegin, den Leone notfallmässig für eine Präsentation verwenden musste und auf dessen Bildschirm im denkbar ungünstigsten Moment die Popup-Erinnerung «Pille nehmen» erschien.

Geschichten, über die man Jahre später lachen kann. Im jeweiligen Moment sah das naturgemäss etwas anders aus.

Doch Leone lieferte zu seinen Missgeschicken auch gleich die Learnings mit. So wurde sein FuckUp-Talk zu einer humorvollen und persönlichen Achterbahnfahrt durch drei Jahrzehnte Unternehmertum und zeigte einmal mehr: Es geht nicht darum, das Scheitern zu feiern, sondern offen darüber zu sprechen, was nicht funktioniert hat und was man daraus gelernt hat.

Der Video zum FuckUp-Talk mit Leone folgt hier in Kürze.



Vier Ideen, vier Herausforderungen und wegweisende Mentoring-Sessions

Danach gehörte die Bühne den vier Ideengeberinnen. Nach ihren kurzen Pitches ging es direkt an die Tische, wo die Kompliz:innen Erfahrungen, Perspektiven und Kontakte einbrachten.

Rosaria Michaela Ackermann aus Triesenberg möchte mit Alleinerziehend & glücklich ein Angebot schaffen, das Alleinerziehende unterstützt, vernetzt und niederschwellig erreicht.

Unterstützt wird sie von ihrem Team Reinhard Feix, Wolfgang Stöss und Elke Capelli-Lässer. Rosaria war wichtig, neben Müttern auch alleinerziehende Väter einzubeziehen. Deshalb wurden gezielt männliche Komplizen an ihren Tisch eingeladen.


In der Abschlussrunde bedankte sie sich für die vielen Inputs und konkreten neuen Kontakte. Der nächste Schritt folgte bereits kurz darauf: Am 28. September fand anlässlich des Internationalen Tags der Alleinerziehenden der erste öffentliche Aktionstag statt.



Claudia Doron aus Widnau brachte gleich ein Testset von VOCA mit. Entstanden ist die Idee für ihren autistischen und nonverbalen Enkelsohn und soll künftig auch anderen Kindern zugänglich gemacht werden.

Eine wichtige Erkenntnis aus dem Ideencamp: testen, testen, testen.

Kinder, Kindergärtner:innen und Lehrer:innen sollen VOCA im praktischen Einsatz kennenlernen und ausprobieren. Bisher existieren vier Sets. Mit ihrem Anteil an der Startförderung möchte Claudia weitere produzieren lassen, zusätzliche Erfahrungen sammeln und ihre Idee Schritt für Schritt weiterentwickeln.


Nathalie Nipp aus Schaan möchte mit ihrer Idee einen Beitrag dazu leisten, die Innovationslandschaft in Liechtenstein und im Rheintal voranzubringen. Im Mittelpunkt steht die Verbindung zwischen Innovation, strategischer Positionierung und einem tragfähigen Geschäftsmodell.

Gemeinsam mit den Kompliz:innen diskutierte sie, wie ihr Angebot genau jene Personen und Unternehmen erreichen kann, für die es relevant ist. Dabei wurde auch klar: Die Kommunikation muss noch einfacher und verständlicher werden.

Genau dort setzt Nathalie nun an und möchte ihre Dienstleistung weiter schärfen und deren Nutzen noch klarer vermitteln.


Bei Stefani Hoch aus Triesen ging es um eine Frage, die viele Familienunternehmen beschäftigt: Warum entscheidet sich die nächste Generation für oder gegen die Übernahme des Familienunternehmens?

Stefani hat selbst ein Familienunternehmen in Liechtenstein übernommen und sich in ihrer Masterarbeit intensiv mit dem Thema beschäftigt. Dafür führte sie zahlreiche Interviews mit Menschen, die sich für oder gegen die Nachfolge im elterlichen Unternehmen entschieden haben.

Diese Erkenntnisse möchte sie nun anderen Familienunternehmen und potenziellen Nachfolger:innen zugänglich machen. Gemeinsam mit den Kompliz:innen wurde deshalb diskutiert, welches Format dafür geeignet wäre. In der Abschlussrunde meinte Stefani:

«Ich habe viele Ideen mitbekommen. Wahrscheinlich wird es eine Art Community-Plattform.»



Zwei Ideen teilen sich CHF 1'000 Startförderung

Zum Abschluss entschied das Publikum, welche Idee die Startförderung des Ideenkanals erhalten sollte. Dieses Mal gab es allerdings zwei Gewinnerinnen mit exakt gleich vielen Stimmen.

Rosaria Michaela Ackermann mit «Alleinerziehend & glücklich» und Claudia Doron mit «VOCA – Mehr als ein Kinderbuch» teilten sich damit die CHF 1'000 Startförderung.

Rosaria setzte ihren Anteil für den ersten öffentlichen Aktionstag am 28. September ein, welcher auch bereits . Claudia möchte weitere VOCA-Testsets produzieren lassen. Zudem dürfen die beiden ihre Geschichte und die Entwicklung ihrer Projekte beim nächsten Ideenkanal Persönlich Podcast beim Podcasthus.li erzählen.

Damit wird aus dem Publikumspreis unmittelbar das, wofür er gedacht ist: Startförderung und Sichtbarkeit für die nächsten konkreten Schritte. Der Video zum Ideenkanal Persönlich Podcast folgt Ende November.



Musik, Sauerteig und viel Austausch

Ein Ideencamp lebt nicht nur von Pitches und Mentoring-Sessions, sondern vor allem von den Begegnungen dazwischen.

Während des gesamten Abends sorgte DJ Moritz Schädler für den passenden Sound, während Ana Escudeiro von k0sourdough die Gäste kulinarisch versorgte.

Bei Essen, Musik und Getränken wurde diskutiert, neue Kontakte wurden geknüpft und Gespräche aus den Mentoring-Sessions weitergeführt. Gerade weil rund die Hälfte der Teilnehmer:innen zum ersten Mal bei einem Ideencamp dabei war, wuchs die Ideenkanal-Community an diesem Abend wieder um viele neue Gesichter.



Fazit

Nicht jede Frage wurde an diesem Abend beantwortet. Das muss sie auch nicht.

Entscheidend ist, dass aus einer Idee ein Gespräch wird, aus einem Gespräch ein nächster Schritt und aus Menschen, die sich vorher vielleicht noch nie begegnet sind, plötzlich Kompliz:innen werden.

Lust auf ein Ideencamp?

Du hast selbst eine Idee? Dann komm als Ideengeber:in zu uns. In einem kostenlosen 1:1-Beratungsgespräch kannst du deine Idee zuerst mit dem Ideenkanal-Team besprechen oder dich direkt für ein Ideencamp anmelden.

Du hast Erfahrung, Wissen, Kontakte oder einfach Lust, gute Ideen weiterzubringen? Dann werde Kompliz:in und melde dich direkt für eines der kommenden Ideencamps an.

Ob mit einer eigenen Idee oder als Kompliz:in: Wir freuen uns auf Menschen, die nicht nur darüber reden, was man machen könnte, sondern gemeinsam ins Machen kommen.


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